Visit from Ghosts

, 2016



Ausgangsmaterial des zehnminütigen Videoloops VISIT FROM GHOSTS ist die fotografische Dokumentation einer Hausdurchsuchung, heute im Archiv des „Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen“ aufbewahrt. Nach der gescheiterten Republikflucht des erwachsenen Sohnes durchsuchte die Staatssicherheit der DDR im Jahr 1984 die Wohnung einer Familie. Die Bilder wirken wie ein Apparat, der aus einem Alltag einen Tatort und aus einer Gegenwart keine Zukunft generiert. Aber dieser Apparat bringt die Präsenz der doch unsichtbaren Personen nicht zum Verschwinden, und er hinterlässt leere Räume, in denen sie leben wie Gespenster.

 

Erinnerungskonzepte sind mitunter widersprüchlich, die Transformation von Bildmaterial, entstanden unter spezifischen politischen Bedingungen, in den Kontext von Kunst mitunter fraglich. Meine künstlerische Adaption ist der Versuch, jene Aufnahmen 30 Jahre später und aus einer veränderten Gesellschaftsordnung heraus zu verstehen. Hierfür ergänzte ich den visualisierten Gang durch die Familienwohnung und über das Grundstück der Familie mit Gedanken und Fragen zu Perspektiven der Betrachtung und Kontextualisierung von fotografischen Bildern.

 

The raw material of the ten-minute video loop VISIT FROM GHOSTS is the photographic documentation of a house search, now kept in the archive of the „Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen“ (Federal Commissioner for Stasi Documents.) After the adult son’s failed escape from the Republic, the GDR State Security searched a family’s home in 1984. The images seem like an apparatus that generates a crime scene from an everyday life and no future from a present. But this apparatus does not make the presence of the invisible persons disappear, and it leaves empty spaces in which they live like ghosts.


Concepts of memory are sometimes contradictory, the transformation of pictorial material, created under specific political conditions, into the context of art is sometimes questionable. My artistic adaptation is an attempt to understand those recordings 30 years later and from a changed social order. For this purpose, I supplemented the visualized walk through the family home and the family property with thoughts and questions about perspectives of viewing and contextualizing photographic images.